17.03.2017

Vielleicht bin ich dein Abenteuer


Wir zählen die Tage für den Exzess, die Leidenschaft der Fremde, für all die Momente, die kommen werden und in denen wir uns verlieren. Wir werden Straßen entlanglaufen, entscheiden uns gegen barfuß, weil wir noch über Zäune klettern müssen.

Ich bin vielleicht dein Abenteuer, aber nicht dein Zuhause und als wir letzte Nacht mit Menschen zusammen stießen, die keine Ahnung von Begeisterung hatten, steigerte sich unsere Faszination für die verlorenen Lichter der Nacht. Auf dem Nachhauseweg fragte ich mich, ob die morgen vorhandenden blauen Flecken an meinem Körper vom Zusammenstoßen stammen werden oder von den Gefühlen, die du mir zuschreibst, zuschreist, zuschmeißt.

Dann stolper ich gelegentlich über meine eigenen Worte, verlange nach Auszeiten und Pausen, ersehne Fernweh aus deinem Munde und auch wenn du mir meine Wünsche nicht erfüllen willst, kannst du trotzdem nicht wiedersprechen. Du sagst dann immer, es könnte nah sein, es könnte fern sein, es könnte romantisch sein und es könnte dreckig sein. Es könnte weh tun, es wird mit Sicherheit weh tun, und in all dem merkt man, dass man lebt, dass Dinge passieren. 




Morgens aufzuwachen, sich selber suchen, danach erst die im Zimmer verteilten Kleider aufsammeln, das eigene Zimmer verlassen um in den Morgen hinauszutreten, sich erinnern an die vergangenen Augenblicke, den Schmerz spüren, die Sehnsucht fühlen, das Glück empfinden, den Atem verlieren, den Blick wenden und lächeln. Sich verkauft fühlen, merken, dass ich den Krieg mit dir niemals gewinnen werde, jedoch auch nicht verlieren.

Wir sind beide Kinder der Träume, du bist meine schönste Vorstellung. Wir bleiben nächtelang auf, wir zerrinnen in unseren Stimmen und bitten immer wieder um Verständnis für Illusion und Funktionen, die wir entbehren, um uns selber mehr Wertschätzung zu gewähren. Ich will dir alles geben. Will dich fühlen und verlieren und wiederfinden. Die Nächte mit zu viel Alkohol, auf die richtige Zeit hoffen, auf den richtigen Augenblick und auf den letzten Zug dorthin, was andere zu Hause nennen und ich nur gelegentlich als einen Übergang erwähne.

Manchmal treffe ich dich noch am Bahnhof oder an Straßenbahnstationen. Meistens nachts. Du erinnerst mich dann immer an meine letzte Möglichkeit ins Bett zu gelangen und ich sage dir immer wieder, dass ich gar nicht ins Bett will. Du lächelst dann, wir gehen tanzen, verachten uns, lieben uns, schreien uns an, schweigen, bringen uns mit Gefühlen um, trinken zu viele schwere Gedanken und zu harten Alkohol. Im Winter leihst du mir deine warmen Hände, ich dir mein Bett. Aber immerhin atmen wir noch.


03.02.2017

Die Geschichte unseres Sommers

Du lagst neben mir im Meer der weißen Decken und Kissen. Um uns die Geräusche der Nacht, die sich durch die weit geöffneten Fenster zu uns schlichen. Die Lichter der Stadt malten dir Märchen auf deinen nackten Rücken. Die Stadt unseres Sommers. Dein Brustkorb bewegte sich beim Atmen im Takt der leisen Musik. Es war, als ließe sich die ganze Welt auf den Klang eines einzigen Tons reduzieren, und das Einzige, woran dieser Klang mich denken ließ, warst du. 



Manchmal ist Verlangen Luft; manchmal ist Verlangen Wasser. Und hin und wieder, wenn alles zu Luft und Wasser geworden ist, verfestigt sich das Verlangen, und der Körper wird zu einem Magneten, der es anzieht.
Wir wurden für einander zu Magneten. Magneten, anziehend über Distanzen, über Kontinente, über Wochen, Monate, Ewigkeiten.
Wir wurden zu der Geschichte unseres Sommers.




21.07.2016

Ich liebe dich, aber ein Wolf soll dich fressen


 Ich liege zusammengerollt auf dem alten Sessel meines Großvaters und frage mich, warum es nicht möglich ist in diesen Momenten mit dem Denken aufzuhören. Ich suche einen Knopf an meinem Körper, um die lästige Stimme in meinem Kopf abzustellen, ich finde aber keinen. Dabei gibt es doch für alles Knöpfe, mit denen variable Dinge an und wieder augestellt werden können. Nur für die wirklich wichtigen Dinge, wie das Denken, gibt es keine.

Der Tag dauert nun schon eine Ewigkeit, weil alles ganz ruhig ist und ich auf diesem alten Sessel liege und zusehe wie kleine und große Schatten über den Himmel und die Wände ziehen. Die Stunden vergehen wie Jahre und ich stehe auf und fange an mich im Takt des Zeigerschlags zu drehen. Der Sessel knarzt leise, als würde er sich beschweren, dass ich auf ihm stehe, aber es ist mir egal, weil er meine Schmerzen auch nicht versteht.

Der Sessel ist ein Erbstück meines Großvaters, der sein ganzes Leben auf ihm verbracht hat. Zumindest kam es mir so vor. Manchmal stelle ich mir vor, dass der Sessel untrennbar mit dem Geist meines Großvaters verbunden ist, so wie ich mein ganzes Leben mit meinem Kopf untrennbar verbunden sein werde.

Der Sessel sah vieles, schließlich stand er schon in meiner Wohnung, bevor du beschlossen hast zu gehen. Er weiß, dass du ein Muttermal auf deinem Schulterblatt hast. Er sah, wie du abends neben mir auf dem kühlen Holzboden lagst und wir Wein tranken. Er hat gesehen wie wir so oft Nachts bei geöffneten Fenstern zu leiser Jazzmusik tanzten, oder still auf dem Boden saßen und du versuchtest, meine Gedanken zu lesen.
 
Ich wollte nicht, dass du zurückkommst, schon lange nicht mehr. Und jetzt sitze ich auf meinem alten Sessel, dessen weinroter Stoff schon so viel gesehen hat, trinke Wein und deine Rückkehr ist mir so bewusst wie nie zuvor. Ich stehe auf und mein Rücken knackst laut. Ein Jahr kann eine lange Zeit sein und irgendwann habe ich aufgehört die Tage und Monate zu zählen und stattdessen Knöpfe gesucht, um die Gedanken abzustellen. Gefunden habe ich sie nie. Und jetzt hallt deine Stimme durch den Hörer, den ich mir schwor, nie abzunehmen.


04.01.2014

Shadow

Do you think darkness falls and covers only your skin?
Trust me, please trust me, when I say that the shadows look just the same on me.



25.12.2013

Pathos

 Zu Hause angekommen rieche ich an meinem Shirt. Es riecht nach Vanille, Sehnsucht und Pathos. Nach nicht endenden Nachtmomenten und nach Komplimenten. Nach neuen Erfahrungen, Fingerspitzen auf warmer Haut und glänzenden Augen. Nach dir und weißem Zimt.